Der Raum dazwischen
Gott,
wir stehen an den Schwellen unseres Lebens und spüren:
Nichts bleibt, wie es war –
und doch ist alles gehalten.
Das Loslassen geschieht.
Alte Schlüssel werden abgegeben,
vertraute Wege enden.
Es ist ein Ausatmen.
Die Hände leeren sich,
und das Herz schaut noch einmal zurück.
In diesem Moment des Abschieds
bist du der Friede,
der sich über das legt,
was nun hinter uns liegt.
Die Stille dehnt sich aus.
Dort, wo das Alte aufgehört hat
und das Neue noch keinen Namen trägt.
Die Zeit der leeren Wohnung,
des ersten Morgens ohne Wecker,
der Ungewissheit nach einem Verlust.
In dieser Leere bist du der Boden, der trägt,
auch wenn wir nicht gehen.
Du bist die Geduld,
die uns lehrt,
das Nicht-Wissen auszuhalten.
Der Aufbruch beginnt.
Ein neuer Ort,
unbekannte Menschen,
eine neue Rolle im Leben.
Es ist ein Einatmen.
Die Sinne schärfen sich,
das Herz schlägt schneller.
In der ersten Begegnung,
im ersten zaghaften Versuch
bist du die Kraft, die uns aufrichtet.
Du bist die Neugier,
die über die Angst siegt,
und das Vertrauen,
das uns den ersten Schritt setzen lässt,
noch bevor wir das Ziel sehen.
Die Wandlung wirkt.
Wir verändern uns mit unseren Lebensphasen.
Du bist die Beständigkeit im Wandel.
Du bist die Heimat,
die wir in uns tragen,
egal wohin der Weg uns führt.
In jedem Übergang bist du gegenwärtig.
Du bist das Licht auf der Schwelle.
Du bist der Raum,
in dem wir werden dürfen,
wer wir sind.



